Fangschleuse, ein Ortsteil von Grünheide (Mark), hat eine spannende Geschichte, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Ursprünglich war Fangschleuse ein wichtiger Standort für Handwerk und Industrie, geprägt von harter Arbeit und Innovation.

Im Jahr 1708 ließ sich der königliche Schleusenwärter Christian Große an der „Faulen Furt“ nieder. Diese Schleuse diente dazu, das Wasser der Löcknitz zu stauen und den Fischbestand in den Seen zu sichern. Die Schleuse war auch wichtig für den Transport von Baumstämmen, die über die Löcknitz zur Spree geflößt wurden. Die Schleuse gab dem Ort seinen Namen und war der Ausgangspunkt für die Besiedlung der Umgebung.

Mit der Schiffbarmachung der Löcknitz im Jahr 1873 und dem Bau der Eisenbahnstrecke Berlin-Frankfurt (Oder) 1842, die ab 1879 einen Haltepunkt in Fangschleuse hatte, erhielt der Ort einen zusätzlichen Entwicklungsschub. Die Einwohnerzahl stieg von 858 im Jahr 1885 auf mehr als 2740 im Jahr 1939. Diese Entwicklung machte Fangschleuse zu einem bedeutenden Standort für Industrie und Handwerk.

Ein wichtiger Wirtschaftszweig war die Holzflößerei. Über viele Jahrzehnte war der Werlsee der Ausgangspunkt für den Holztransport. Die Stämme wurden zu Flößen gebündelt und über die Löcknitz transportiert. Die Flößer nutzten die hohe Fließgeschwindigkeit des Wassers, das durch das Öffnen der Wehrsperren entstand. Diese Methode war effizient und ermöglichte den Transport großer Mengen Holz nach Berlin.

Ein weiteres Highlight in der Geschichte von Fangschleuse war die Gasfabrik, die 1890 am westlichen Ortsausgang errichtet wurde. Sie versorgte den Ort bis 1923 mit Gas, das vor allem für die Beleuchtung genutzt wurde.

Die Entwicklung der Personenschifffahrt ab den 1890er Jahren brachte einen weiteren Aufschwung. Fahrgastschiffe brachten Besucher aus Berlin, die die Schönheit der Grünheider Seenlandschaft genießen wollten. Die großen Ausflugsgaststätten wie „Möllenhorst“ und „Zeugners Waldidyll“ wurden zu beliebten Zielen. Die Fahrgastschifffahrt förderte auch die Entwicklung von Gaststätten, Hotels und Pensionen im Ort.

Fangschleuse beherbergte während des Zweiten Weltkriegs ein Lazarett. Nach dem Krieg wurde das Gebäude wieder als Gewerkschaftsschule genutzt. Außerdem gab es ein KZ-Außenlagers in Fangschleuse, das 1944 errichtet wurde. Hier sollten Banknoten der Kriegsgegner hergestellt werden, um deren Finanzsystem zu destabilisieren. Die Produktion lief jedoch aufgrund des schnellen Kriegsverlaufs nicht an.

Heute ist Fangschleuse ein ruhiger Ortsteil, der seine industrielle Vergangenheit nicht vergessen hat. Die historischen Gebäude und die malerische Landschaft machen Fangschleuse zu einem besonderen Ort. Mit offenen Augen kannst du die Spuren der Vergangenheit entdecken und die Geschichten der Menschen, die hier lebten und arbeiteten, nacherleben.