Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erlebten die Rudervereine im Berliner Umland eine Blütezeit. Diese Vereine spielten eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Leben und förderten den Gemeinschaftssinn und sportlichen Ehrgeiz.

Eine besonders beliebte Tradition war die sogenannte „Eierfahrt“, die jedes Jahr an Neujahr stattfand. Bei diesen Ausflügen ruderten die Vereine auf den malerischen Seen und Flüssen rund um Berlin. Das Highlight dieser Fahrten war ein Rennen, bei dem die ersten Ankömmlinge eine besondere Belohnung erhielten: eine Mandel Eier.

Die Mandel war ein altes Maß, das in verschiedenen Regionen unterschiedlich definiert war. In Berlin entsprach eine Mandel oft 15 Stück, was die Belohnung zu einer großzügigen und symbolträchtigen Gabe machte. Diese Tradition entstand vermutlich aus dem Wunsch, den Siegern nicht nur eine symbolische, sondern auch eine praktische Belohnung zu geben.

Die Rennen selbst waren ein Ausdruck des sportlichen Wettbewerbs und der Kameradschaft. Die Ruderer trainierten das ganze Jahr über hart, um sich auf diese Ereignisse vorzubereiten. Am Tag des Rennens versammelten sich die Mitglieder der Vereine und ihre Familien am Ufer, um die Boote anzufeuern. Die Atmosphäre war elektrisierend, und die Freude über den Sieg war groß, wenn die ersten Boote die Ziellinie überquerten.

Nach dem Rennen wurden die Mandel Eier feierlich überreicht, oft begleitet von Applaus und Jubelrufen. Die Sieger wurden geehrt und ihre Leistung gefeiert. Anschließend versammelten sich alle zu einem großen Picknick, bei dem die Eier geteilt und genossen wurden. Diese Tradition stärkte das Gemeinschaftsgefühl und schuf bleibende Erinnerungen.

Ein besonderer Bezug bestand zu Grünheide, wo auch die örtlichen Gaststätten, darunter die bekannte Gaststätte von Vater Fielitz, an den Feierlichkeiten teilnahmen. Grünheide war zu dieser Zeit ein beliebtes Ausflugsziel für Berliner, die die idyllische Natur und die zahlreichen Seen genossen. Der Tourismus spielte eine wichtige Rolle in der Region und trug zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung bei. Die Rudervereine und ihre Veranstaltungen waren ein fester Bestandteil dieses lebendigen Tourismus, der Menschen aus der Stadt in die malerische Umgebung von Grünheide lockte.